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{Buchrezension} Das Küchentagebuch von Nigel Slater und ein Thymian-Zitronen-Kuchen

Thymian-Zitronen-Kuchen

Es gibt seit heute ein neues Schätzchen auf dem Kochbücher-Markt: „Das Küchentagebuch – Mit 250 Rezepten durch das Jahr“ von Nigel Slater. In dem im Dumont-Buchverlag erschiene Buch präsentiert er keineswegs Rezepte aus der Sterneküche, sondern wie er selbst sagt „Nichts Protziges oder Auffälliges, nur ehrliche, alltägliche Sachen. Die Art von Essen, für die man nach einem arbeitsreichen Tag gern nach Hause kommt. Ein paar Wochenendrezepte, ein bisschen Kuchen und Backvergnügen, vereinzelte Einmachgläser und Schlemmereien für Festtage. Aber im Allgemeinen bloß schlichte, unaufdringliche Rezepte, eher zum Austauschen als zum ehrfürchtig Bestaunen.“ Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Wie der Titel es bereits erahnen lässt, sind in diesem 532 Seiten starken Buch 250 Rezepte untergebracht. Aufgelockert wird das neue Kochbuch mit seinen 180 Fotos, die geradezu danach schreien nachgekocht zu werden. Kein Wunder, denn die Rezepte lassen sich auch alle problemlos nach einem anstrengenden Tag nachkochen. Das beste an diesem (Küchentage)Buch ist wohl, dass der Food-Journalist nahezu täglich Geschichten und Anekdoten aus seinem aufregenden Alltag erzählt, verbunden mit gut nachkochbaren Rezepten und wenn es nur ein Sandwich ist. Abgerundet wird das Ganze mit fundiertem und interessantem Kochwissen seinerseits. Man findet für jeden Monat und für jede Jahreszeit das entsprechende Rezept, mit den Produkten, die auch wirklich zu dieser Zeit Saison haben und überall zu bekommen sind. Entstanden ist „Das Küchentagebuch“ aus vielen Notizen, die er im Laufe mehrerer Jahre gesammelt hat, d.h. das Rezept vom 5. August und 10. September müssen nicht zwangsläufig im selben Jahr entstanden sein. Slaters Art des Schreibens ist so simpel und interessant, wie seine Rezepte. Würde ich den Mann persönlich kennen, könnte ich ihm vermutlich einfach stundenlang zuhören, ohne gelangweilt zu sein. Er schafft es aus nur wenigen Produkten leckere Gerichte ohne viel Schnickschnack zu zaubern. Die Zutatenlisten sind in Slaters Küchentagebuch ohnehin alle immer sehr kurz und übersichtig gehalten. Wenn der Kühlschrank mal wenig zu bieten hat, wird aus einer geöffneten Reistüte Risotto gekocht und mit Petersilie verfeinert. Fertig ist ein herzerwärmendes Gericht. Das finde ich sehr sympathisch und es unterstreicht seine authentische Schlichtheit.

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Der Aufbau des Buches ist mehr als gelungen. Es ist ein sehr hochwertiges Kochbuch, dass sehr gut in der Hand liegt. Man merkt, dass an diesem Buch mit viel Liebe und Bedacht gearbeitet wurde. Im Prinzip bräuchte ich in den nächsten 250 Tagen keine anderen (Koch)Ideen und mein Mann würde sich vermutlich auch darüber freuen, wenn ich ihn nicht ständig mit „Was soll ich heute kochen?“ nerven würde. Das Überleben ist für die nächsten 8 Monate mit wunderbaren Koch- und Backrezepten gesichert.

Schon nach dem ersten groben durchblättern haben sich die Post-its im Küchentagebuch vermehrt wie die Karnickel. Im Prinzip könnte ich an (fast) jede Seite eins von diesen Klebezetteln heften. Sobald ich das Buch in den Händen halte, verspüre ich den Drang in die Küche zu gehen und loszulegen. Aber das Buch ist nicht nur ein Kochbuch, es ist viel mehr. Mit einem heißen Kakao in eine Decke gelümmelt auf dem Sofa und das Buch wird dein bester Begleiter an einem kalten und regnerischen Tag. Beim Lesen habe ich das Gefühl ich wäre mit dem BBC-Fernsehkoch unterwegs und würde ihn durch seinen turbulenten Alltag begleiten.

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Ich bin ja eigentlich ein riesen großer Fan von Bildern. Am liebsten habe ich die Kochbücher, die zu jedem Rezept ein ansprechendes Bild – wie das Gericht, wenn es fertig zubereitet ist, auszusehen hat – parat haben. In diesem hier, ist es nicht der Fall, aber das braucht es auch nicht. Das würde sonst nicht authentisch rüberkommen. Ich hatte nach dem Lesen eines unbebilderten Rezeptes direkt eine Vorstellung, wie es aussehen könnte. So erging es mir auch bei dem Rezept, was ich euch aus diesem einzigartigen Buch vorstellen möchte: Ein Thymian-Zitronen-Kuchen. Ich muss zugeben, dass ich den Guss etwas anders gemacht habe. Meine Abwandlung könnt ihr unterhalb des Originalrezeptes in kursiv nachlesen. Edit: Was mir jetzt – nach Fertigstellung der Rezension – aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass ihr sogar auf den Tag genau ein Rezept vom 20. August aus diesem Buch erhaltet. Wahnsinn, was ein Zufall!

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Zutaten
Teig
200 g Butter
200 g Zucker
100 g Mehl
1/2 TL Backpulver
100 g gemahlene Mandeln
4 große Eier
1 Bio-Zitrone
1 TL Thymianblätter

Guss
4 EL Zucker
2 Zitronen (Saft davon)
1/2 TL Thymianblätter

80 g Puderzucker
1/2 Zitrone (Saft davon)
Thymianzweige und Zitronenscheiben zur Deko

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Zubereitung
Eine Kastenform mit Backpapier auslegen. Einfetten geht natürlich auch. Den Backofen auf 160°C vorheizen. Butter und Zucker schaumig schlagen. Die Eier nach und nach unterrühren. Mehl und Backpulver vermischen und sieben. Gemahlene Mandeln unterheben. Die Mehlmischung portionsweise unter die Eiermasse geben und gut verrühren. Die Zitronenschale abreiben und zusammen mit den Thymianblättchen mit einem Stößel zerstoßen. Unter den Kuchenteig rühren.

Den Teig in die Backform füllen und bei 45-50 Minuten backen. Während der Kuchen backt, kann der Guss vorbereitet werden. Dafür den Zucker mit dem Zitronensaft und zwei Eßlöffeln Wasser auflösen und die Thymianblättchen einrühren. Wenn der Kuchen fertig gebacken ist, die Oberfläche mit einem Messer der Länge nach einschneiden und den Sirup darüberträufeln. Abkühlen lassen. Nigel Slater empfiehlt dazu dicken Joghurt zu servieren.

Für meinen Guss habe ich den Puderzucker gesiebt, mit dem Zitronensaft vermischt und den leicht abgekühlten Kuchen damit bestrichen. Ein paar Thymianzweige und Zitronenscheiben als Deko aufgelegt, fertig. Diesen schnellen und leckeren Kuchen wird es jetzt bei uns öfter geben.

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Jamie Oliver dürfte den meisten vermutlich bekannt sein und dieser bezeichnet Slater als „ein gottverdammtes Genie“. Nachdem ich mir dieses Buch zu Gemüte geführt habe, kann ich ihm nur zustimmen und mich gedanklich vor Slater für sein neuestes Werk und diese meisterliche Leistung verneigen. Dieses Buch ist eine wahrliche Bereicherung in meinem Kochbuchregal und wird sicherlich in den Genuss kommen, einen ehrenvollen Platz zu ergattern. Und das wird nicht das letzte Rezept aus diesem eindrucksvollen Buch sein.

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Vielen Dank an den Dumont-Buchverlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung aber bleibt davon völlig unbeeinflusst.

18 Kommentare

    • Danke liebe Kebo,
      der wird euch bestimmt auch sehr gut schmecken. Eine Gelinggarantie ist da quasi mit dabei :-)
      liebe Grüße
      Olga

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  1. Wow, seid ihr alle schnell (ich blättere noch und kann mich nicht für ein Rezept entscheiden – aber dieses stand auch ganz oben auf der Liste) Tolle Rezension!

    Liebe Grüße,
    Barbara

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    • Liebe Barbara,
      vielen Dank. Ich könnte mich auch stundenlang mit dem Buch beschäftigen und das mache ich in jeder freien Minute auch nur zu gerne. Ich kann dich verstehen. Ich habe auch hin und her überlegt, aber dieser Kuchen hat mich einfach angefleht, nachgebacken zu werden :-)
      liebe Grüße
      Olga

      Antworten

  2. Ich liebe Nigel Slater und habe schon vor Jahren Sachen von ihm nachgekocht. Was leider vom DuMont-Verlag unentdeckt blieb 😉 Deine Rezension klingt super und ich muss das Buch unbedingt bestellen! Danke für die Einblicke. Der Kuchen sieht super aus!

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  3. Slater steht auch bei mir gaaanz weit oben auf der Favoriten-Liste, alles was ich bisher nachgemacht habe war super, Geschmack, Idee, Vorgehensweise… einfach klasse. Hab aber noch gut zu tun mit den beiden Büchern die ich besitze…

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    • Das kann ich gut verstehen. Du meinst vermutlich die beiden Tender-Bücher, oder? Da sind ja auch immer eine Menge toller Rezepte drin. Auch mit diesem hier, wäre man ein Jahr beschäftigt. Aber alles was ich bisher probiert habe, war wirklich super.

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  4. Jetzt schleiche ich schon seit einiger Zeit um „Tender“ herum und dann kommst du hier mit dem nächsten augenscheinlich grandiosen Kochbuch von Herrn Slater um die Ecke… Danke für die Rezension, das macht direkt Lust zum Nachkochen!

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    • Ja, Herr Slater haut hier einen Kochbuch-Bestseller nach dem nächsten raus. Man kommt gar nicht mit dem Nachkochen/-backen hinterher. Ich werde nach und nach noch mehr seiner tollen Rezepte hier vorstellen.

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  5. Ich habe ja immer gedacht das ich ein Kochbuch Fanatiker bin, aber du stehst in der Sache nichts nach! Das Buch ist seit 20. Aug auf dem Markt und du hast es schon bzw. hast daraus sogar schon etwas gekocht und gepostet. Respekt!
    Grüße vom ehemaligen Kollegen (der festgestellt hat, dass du die gleiche Leidenschaft hast)

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    • Hey Christian,
      das ist ja mal ein lustiger Zufall. Wie hast du mich denn gefunden? Dass ich am 20. bereits was draus gekocht und darüber gebloggt habe, liegt nur daran, dass ich das Buch vor einer Woche schon bekommen habe :-) Da war das dann kein Problem. Wusste gar nicht, dass du auch so ein Kochbegeisterter bist. Kochen ist ja auch was wirklich schönes :-)
      Liebe Grüße
      Olga

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    • Vielen Dank, liebe Sia. Ich hatte leider leider leider noch kein Buch von ihm, das wird sich aber nach und nach ändern. Ich bin ziemlich begeistert von diesem Kochbuch. Du wirst es bestimmt auch lieben.
      Und der Zitronenkuchen hat eine uneingeschränkte Nachbackempfehlung von mir – so köstlich war der.
      Liebe Grüße
      Olga

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