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Buchtipp: Fleisch essen, Tiere lieben

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Wer sich tagtäglich näher mit Essen, Esskultur und Nahrungsmitteln auseinandersetzt und nicht nur einfach konsumiert bis er platzt, wird früher oder später auch auf die unschönen Seiten der Nahrungsmittelproduktion stoßen – allem voran die Massentierhaltung. Bei vielen Menschen hat dies zwischenzeitlich zu einem Umdenkprozess geführt. Was vor ein paar Jahren noch eine Randerscheinung war, ist inzwischen zum Mainstream geworden. Schaut man sich einmal in gutsortierten Buchhandlungen um, so scheinen diese derzeit geradezu überzuquellen, was vegetarische oder vegane Kochbücher anbelangt. Der komplette Fleischverzicht, so könnte man meinen, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Da kann jemandem wie mir, als passioniertem Fleischesser, schon mal ein schlechtes Gewissen kommen.

Zumal vegetarische und vegane Ernährung mit einem Saubermann-Image einhergehen, das seinesgleichen sucht. Für viele Menschen ist es nicht mehr bloß eine Sache der eigenen Ernährung, sondern eher eine Art Mission, bei der es möglichst viele Ungläubige zu bekehren gilt. Schön, dass Theresa Bäuerlein mit ihrem Buch Fleisch essen, Tiere lieben: Wo Vegetarier sich irren und was Fleischesser besser machen können hier einen Gegentrend setzt. Bäuerlein, selbst vormals glühende Vegetarierin, zeigt auf, dass nicht nur Fleischkonsum seine dunklen Seiten hat, sondern eben auch vegetarische bzw. vegane Ernährung. Zugegeben – oftmals klingt das Ganze so ein wenig wie eine Entschuldigung dafür, dass die Autorin an einem gewissen Punkt ihres Lebens beschloss, dann doch wieder zur Hühnerkeule zu greifen. Im Kern jedoch behält Theresa Bäuerlein recht, wenn sie die These aufwirft, dass es gar nicht so wichtig ist, ob man nun Fleisch oder Getreide konsumiert, so lange weder Viehzucht noch Landwirtschaft auf einer gewissen Nachhaltigkeit beruhen. Klar sollten wir alle weniger Fleisch essen, diese Auffassung vertritt auch die Autorin. Aber kann man durch Vegetarismus wirklich den Hunger in der Welt bekämpfen und hat ein Tofuwürstchen wirklich eine bessere Energieeffizienz als ein Steak? Diesen und weiteren Fragestellungen geht Bäuerlein in ihrem Buch nach.

Was mir besonders gut gefallen hat: Das Buch arbeitet sich nicht an der Thematik ab, ob vegetarische bzw. vegane Ernährung denn nun sonderlich gesund ist (oder eben auch nicht), sondern wartet mit einer wahren Fülle von Fakten auf, was die Produktion von Lebensmitteln angeht. Dabei wird deutlich – auch mit veganer Ernährung wird man die Welt nicht retten können, denn der Verzicht auf Fleisch mag zwar ein reines Gewissen verschaffen, unbelastet von ökologischen und ökonomischen Problemen ist aber auch eine vegane Ernährung nicht. Bäuerlein vergisst niemals die Schrecken der Massentierhaltung, sie stellt sie aber auch nicht in den Fokus ihres Buches. Unzählige andere Bücher und Filme haben die Problematik der nicht-artgerechten Viehzucht zu ihrem Thema gemacht, da braucht es nicht ein weiteres Werk, das uns in blumigen Bildern Fleischberge und von Krankheit gezeichnete Hühnerkolonien vor Augen führt. Theresa Bäuerlein hingegen schreibt von Monokulturen, Mineraldünger und einem viel zu einfachen Weltbild, das nicht zuletzt von Tierschutzorganisationen nur allzu gerne propagiert wird.

Wen das Thema interessiert, der sollte einen Blick ins Buch riskieren und sich nicht von den vielen negativen Wertungen auf Amazon abschrecken lassen. Die stammen, wie zu erwarten, von eben jenen Personen, deren simple Weltanschauung in Bäuerleins Werk recht treffend widerlegt wird.

Link zum Buch auf Amazon: Fleisch essen, Tiere lieben: Wo Vegetarier sich irren und was Fleischesser besser machen können

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  1. Schön, dass ihr das Thema aufgreift! Der Ansatz, nicht die Massentierhaltung allein zum Aufhänger eines ganzen Buches zu machen – wie es leider nur allzu häufig zu diesem Topic vorkommt – sondern auch die Probleme zu beleuchten, die eine vegetarische oder vegane Ernährung mitbringt, hört sich gut an. Ich glaube, das Buch muss ich haben!

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